Von der Stadt zum Museum

Von der Stadt zum Museum

Heutiges Stadtgebiet
Heutiges Stadtgebiet
 
Heutiges Stadtgebiet
Heutiges Stadtgebiet
 

Das Stadtgebiet des heutigen Rom ist deutlich größer als in der Antike. Selbst das Marsfeld, wenngleich seit augusteischer Zeit immer dichter bebaut, lag offiziell außerhalb des pomerium, jener heiligen Stadtgrenze, die nur unter bestimmten Bedingungen erweitert werden konnte. Das urbane Siedlungsgebiet war also nicht Deckungsgleich mit dem offiziellen Territorium der Stadt und beide unterschieden sich von jenem Areal, das einst von der Servianischen Mauer eingefasst worden war.

Das Stadtgebiet des heutigen Rom ist deutlich größer als in der Antike. Selbst das Marsfeld, wenngleich seit augusteischer Zeit immer dichter bebaut, lag offiziell außerhalb des pomerium, jener heiligen Stadtgrenze, die nur unter bestimmten Bedingungen erweitert werden konnte. Das urbane Siedlungsgebiet war also nicht Deckungsgleich mit dem offiziellen Territorium der Stadt und beide unterschieden sich von jenem Areal, das einst von der Servianischen Mauer eingefasst worden war.

Severianische und Aurelianische Mauer
Severianische und Aurelianische Mauer

Die Aurelianische Mauer hatte eine Länge von 19 Kilometern und schloss alle dicht besiedelten Gegenden der Stadt ein, d. h. auch das Marsfeld und Teile des jenseits des Tibers gelegenen Suburbiums. Die neue Befestigungsanlage zeigt im Vergleich zu der ebenfalls eingezeichneten Severianischen Mauer, wie sich die Wahrnehmung des als schützenswert geltenden städtischen Raumes im Laufe der Jahrhunderte verändert hatte.

Verlauf der Mauer nahe der Cestius-Pyramide
Verlauf der Mauer nahe der Cestius-Pyramide
 
Stadttor nahe der Cestius-Pyramide
Stadttor nahe der Cestius-Pyramide
 

Die Aurelianische Mauer ist heute noch vielerorts in Rom erhalten. Sie bezieht teilweise ältere Monumente in die Befestigungsanlage mit ein, wie hier – an der Porta San Paolo – die Pyramide des Cestius. Der Wandel der Prioritäten lässt sich hieran deutlich ablesen. Ein Monument, ein Grabmal, das zu Zwecken der individuellen Selbstdarstellung vor den Toren Roms erbaut worden war, diente nun der ganz konkreten und praktischen Selbstverteidigung der Zivilbevölkerung. Die Toten beschützten die Lebenden und die Vergangenheit der Stadt sicherte ihre Zukunft.

Die Erhaltung dieses eindrucksvollen Abschnittes der Aurelianischen Mauer führt aber auch zu einem Paradoxon. Gerade weil das in unmittelbarer Nähe zur Pyramide gelegene Stadttor erhalten werden soll, kann es seine eigentliche Funktion heute nicht mehr wahrnehmen. Die breiteren Straßen haben es nötig gemacht, die Mauer an anderer Stelle einzureißen und den Verkehr um die Porta herum, anstatt durch sie hindurch zu leiten.

Porta Maggiore
Porta Maggiore
 
Porta Maggiore
Porta Maggiore
 

Eine solche Art der Einbindung älterer Monumente in den Mauerring gibt es an mehreren Stellen zu bewundern – so etwa auch an der Porta Maggiore. Ob die Römer sich dabei von rein praktischen Gesichtspunkten oder auch von einem Bewusstsein für die Bewahrung ihrer Vergangenheit leiten ließen, ist eine interessante Frage. Zumindest schufen sie Vorbilder für den städtebaulichen Umgang mit historischen Monumenten auch in der modernen Stadtarchäologie. Die Porta Maggiore lag im Osten der Stadt. Durch sie betrat man Rom auf der Ost-West-Achse, die einen Ankömmling zwischen Kolosseum und Trajansthermen hindurch auf das Forum Romanum leitete.

Porta Maggiore
Porta Maggiore
 
Porta Maggiore als Teilstück des Aquaeduktes
Porta Maggiore als Teilstück des Aquaeduktes
 

In diesem Fall bildet das in dem Mauerring verarbeitete Monument allerdings keinen Abschnitt der Befestigung, sondern das an dieser Stelle befindliche Tor. Erneut hat man heute, um das antike Bauwerk erhalten zu können, die Mauer an anderen Stellen durchbrochen, um einen fließenden Verkehr zu gewährleisten. Dazu ist die Mauer an dieser Stelle nicht vollständig zerstört worden, sondern spannt sich als Überführung über den Verlauf der Straße. Das Tor wird von einem Teil eines frühkaiserzeitlichen Aquädukts gebildet, dessen hohe Arkaden sich gut zu diesem Zweck eigneten. In diesem Fall handelt es sich um den gemeinsamen Lauf des Anio Vetus (obere Leitung) und der Aqua Claudia (untere Leitung).

Zwischen Porta San Sebastiano und P. Ardeatina
Zwischen Porta San Sebastiano und P. Ardeatina
 
Nahe Porta San Sebastiano
Nahe Porta San Sebastiano
 

In der Spätantike vermittelten die Stärke und Höhe der Mauer – hier ein Stück zwischen Porta San Sebastiano und Porta Ardeatina – offensichtlich ein Gefühl von Sicherheit, das etwa Aurelius Victor dem Erbauer der Befestigungsanlage hoch anrechnet. Großzügig war der Mauerring – hier nahe Porta San Sebastiano – im Vergleich zu allen bisherigen Befestigungen der Stadt tatsächlich bemessen. Die Historia Augusta übertreibt allerdings, wenn sie von 50 Kilometern spricht.

Aur. Vict. Caes. 35,7 (Übers. Kirsten Groß-Albenhausen / Manfred Fuhrmann): „Nachdem er so viele bedeutende Unternehmungen mit Erfolg zu Ende gebracht hatte, errichtete er in Rom einen herrlichen Tempel des Sol, den er überreich mit Geschenken bedachte, und damit nicht wieder vorkäme, was sich durch die Schuld des Gallienus abgespielt hatte, umgab er die Stadt in einem großzügig bemessenen Umkreis mit sehr starken Mauern.“

Hist. Aug. Aur. 39,2 (Übers. Ernst Hohl): „Er erbaute einen prachtvollen Tempel des Sonnengottes. Die Mauern der Stadt Rom erweiterte er in solchem Ausmaß, daß der Mauerring sich auf beinahe fünfzig Meilen erstreckt.“ “

Arkaden auf der Innenseite
Arkaden auf der Innenseite
Wehrgang und Turm
Wehrgang und Turm

In regelmäßigen Abständen gab es Türme, von denen aus sich das Umland beobachten ließ. Die Breite der Mauer erlaubte es den Verteidigern, sich schnell und sicher auf ihr zu bewegen. Den gemeinsamen Kraftakt, den die römischen Bürger anstrengten, um dieses Monument zu errichten, hat der spätantike Chronist Johannes Malalas festgehalten. Die Breite das Bauwerkes diente aber nicht nur der sicheren Bewegung auf der Mauer, sondern bot auch Schutz am Boden. Durch die Anlage von Arkaden auf der innerstädtischen Mauerseite, entstand ein überdachter Gang, in dem sich die Wachen bewegen konnten, ohne befürchten zu müssen, von feindlichen Geschossen getroffen zu werden.

Malal. 12, 30 (299-300) (Übers. Johannes Thurn): „Gleich als er dann an die Herrschaft kam, begann er die Stadtmauern Roms in Festigkeit wiederherzustellen; sie waren nämlich durch die Dauer der Zeit ruinös. Dieser nun betrieb mit Nachdruck die Bautätigkeit und zwang die Werkstätten Roms am Bau dienstbar zu sein; und nachdem er die Mauern in kürzester Zeit vollendet hatte (300), da erließ er ein göttliches Gesetz dass von jener Zeit an die Handwerker der ganzen Stadt als Aurelianer bezeichnet würden: Sie sollten den Rang des kaiserlichen Namens als Ehre und Lohn für ihre Mühen bekommen.“

Latrinen
Latrinen
 
Stadtmauer als Fundament
Stadtmauer als Fundament
 

Als funktionales Gebäude musste die Aurelianische Mauer auch solche Örtlichkeiten beinhalten, die es den Verteidigern erlaubten, bestimmten körperlichen Bedürfnissen direkt an Ort und Stelle nachzukommen. So waren etwa Latrinen in einigen Metern Höhe in die Befestigung integriert. Ein Vorsprung in der Mauer, der mit einer Öffnung im Boden versehen war, war alles, dessen es bedurfte. So wie die Aurelianische Mauer ältere Monumente Roms in ihre Konstruktion integrierte, so wird heute die Befestigungsanlage selbst zu anderen Zwecken verwendet. Teilweise sind die Mauerabschnitte in Privatbesitz übergegangen und als Fundament für Wohnbebauung genutzt worden.

Bildnachweise:
Satellitenansichten - © Google Earth;
Aurelianische Mauer, Umfang - Wikimedia Commons, Porta Maggiore - Wikimedia Commons;
Aurelianische Mauer, nahe P. S. Sebastiano - Wikimedia Commons, Wikimedia Commons, Wikimedia Commons;
Aurelianische Mauer, Arkaden - Wikimedia Commons, Latrine - Wikimedia Commons, als Fundament - Wikimedia Commons;
Diokletiansthermen, Grundriss - Wikimedia Commons, Gesamtansicht - Wikimedia Commons, Apsis - Wikimedia Commons, Nymphaeum - Wikimedia Commons, Ausstattung - Wikimedia Commons, Zugang - Wikimedia Commons, Kirchenbau - Wikimedia Commons, Innenraum der Kirche - Wikimedia Commons;
Fünfsäulendenkmal - D-DAI-ROM-2008.2431, D-DAI-ROM-2008.2294;
Maxentiusbasilika, Grundriss - Wikimedia Commons, vom Palatin - Wikimedia Commons, von der Via dei Fori Imperiali - Wikimedia Commons;
Domitillakatakomben - Wikimedia Commons, Jesus und Apostel - Wikimedia Commons, Inschrift - Wikimedia Commons;
Calixtuskatakomben - Wikimedia Commons, Gänge - Wikimedia Commons, der gute Hirte - Wikimedia Commons;
San Sebastiano - D-DAI-ROM-59.1309;
Petrus u. Paulus - Wikimedia Commons;
Petrusgrab, Plan u. Querschnitt - Wikimedia Commons, Piazza S. Pietro - Wikimedia Commons;